Von:
Johannes Friedrich

e-lutheraner.de

„In Deutschland bin ich evangelisch – im Ausland Lutheraner“ hat einer meiner Bischofskollegen einmal treffend gesagt. Während sich lutherische, unierte und reformierte Landeskirchen gut unter dem Dach der EKD (Evangelisch-lutherische Kirche in Deutschland) vertreten fühlen, übernehmen sie weltweit in unterschiedlichen Kirchen Verantwortung. So sind lutherische Christen aller Welt im Lutherischen Weltbund (LWB) vereint – insgesamt 140 Kirchen aus 79 Ländern.

Bei meinen Besuchen in lutherischen Partnerkirchen bin ich immer wieder ganz erfüllt von der Vielfalt und Lebendigkeit lutherischen Glaubens. So unterschiedlich, so bunt kann lutherisch sein. Da gibt es die großen traditionsreichen lutherischen Kirchen, wie die Schwedische Lutherische Staatskirche mit 6,7 Millionen Lutheranern, die blühenden lutherischen Missionskirchen in Äthiopien und Tansania (jeweils über 5 Millionen lutherische Christen) oder die Nordamerikanische lutherische Kirche mit ihren fast 5 Millionen Mitgliedern.

Daneben sind aber auch ganz kleine lutherische Kirchen zu finden – viel kleiner als bei uns eine Kirchengemeinde: Die irischen (300) oder die guatemaltekischen (211) Lutheraner beispielsweise oder die meines Wissens kleinste Evangelisch-lutherische Kirche in Simbabwe mit ihren 150 Mitgliedern.

Uns alle vereint der tiefe Glauben daran: Ich muss nichts dafür leisten, um Gott gefällig zu sein. Ich bin es schon. Alles, was ich tue und unterlasse – es ändert nichts daran, dass ich von Gott geliebt bin. Ich muss es nur für mich annehmen. So sind Lutheraner von Fröhlichkeit und Zuversicht getragen. „Somos lutheranos“ „ we are Lutheran“, … es ist schön zu sehen, wie die lutherische Tradition in so vielen verschiedenen Sprachen und so vielen unterschiedlichen Schattierungen weiter gegeben und gelebt wird.

Bei den Vollversammlungen des Lutherischen Weltbunds, die alle sechs bis sieben Jahre, wie 2010 in Stuttgart stattfinden, erfahren wir das hautnah: Lutherische Christen aller Welt erzählen sich von ihrem Reichtum und ihren Sorgen und Nöten, beten für einander und suchen ganz konkret nach Wegen, eine gerechtere Verteilung der Güter zu erreichen. Welch ein wichtiges Zeichen für unsere Länder und für jede einzelne Kirche!

In Deutschland, dem Ursprungsort der Reformation sind die lutherischen Landeskirchen Bayern, Braunschweig, Hannover, Mecklenburg, Nordelbien, Sachsen, Schaumburg-Lippe und die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland mit ihren insgesamt etwa 11 Millionen in der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands verbunden. Die VELKD ist keine Konkurrenz zur EKD. Sie beschränkt sich weitgehend auf das Feld der gemeindlichen und ökumenischen Praxis. Am besten bekannt ist die VELKD wohl als Vertreterin der deutschen lutherischen Kirchen in den großen ökumenischen Dialogen. Hier ist sie für den römischen Katholizismus, aber auch für Anglikaner, Reformierte und Orthodoxe eine ganz wesentliche Ansprechpartnerin.